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Medienmitteilung

Ausserordentliche Generalversammlung ARF/FDS vom 18.4.2010 in Nyon

Der Verband Filmregie und Drehbuch Schweiz reagierte auf die neuesten Pläne des Bundesamtes für Kultur (BAK), anstelle der Begutachtungsausschüsse ein Intendantenmodell einzuführen. Es herrschte unter den 50 anwesenden Mitgliedern (die total 75 Stimmen vertraten) grosse Einigkeit, dass die Unabhängigkeit des Schweizer Filmschaffens auf dem Spiel steht. Deshalb fasste die ausserordentliche Generalversammlung mit grossem Mehr der Stimmen folgende Beschlüsse:

  1. Die Generalversammlung des ARF/FDS verlangt vorrangig eine Grundsatzdiskussion zwischen der Branche und dem Bundesamt für Kultur über die Rolle der Sektion Film. Abzuklären ist insbesondere die Frage, wie künftig die Unabhängigkeit der Expertenarbeit von der Sektion Film garantiert werden kann.
  2. Die GV des ARF/FDS lehnt, wie schon in der Medienmitteilung vom 1.4.2010 vom Vorstand festgehalten, unter den gegenwärtigen Voraussetzungen einen Wechsel vom Kommissions- zum Einzelexpertensystem ab.
  3. Die GV ARF/FDS bekräftigt die Forderung des Vorstandes nach der korrekten Einhaltung der Abläufe sowie nach einer Festlegung verbindlicher Regeln für das Erarbeiten der neuen Förderkonzepte. Die Erarbeitung neuer Förderkonzepte darf erst nach einer kritischen Analyse der letzten vier Jahre - unter Einbezug des ARF/FDS und der ganzen Branche - aufgenommen werden.

Zürich, 19. April 2010


Medienmitteilung vom 1. April 2010

Am 27. März 2010 fand in Bern die ordentliche Generalversammlung des Verbandes Filmregie und Drehbuch (ARF/FDS) statt. Der Verband erfreut sich einer guten Verfassung und ist in Bewegung, wie der grosse Aufmarsch an der Generalversammlung, die Aufnahme von SCENARIO und die engagierte Diskussion zur ersten Skizze der neuen Bundes-Filmförderungskonzepte ab 2011 zeigen.

Der Präsident, Stefan Haupt, wurde für ein weiteres Jahr im Amt bestätigt. Als neue Vizepräsidentin wurde Alessandra Gavin-Müller einstimmig gewählt. Von zwölf Mitgliedern des Vorstandes treten vier langjährige Mitglieder zurück: Erich Langjahr, Michele Andreoli, Anne Cuneo und Bettina Oberli. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt: Jeanne Berthoud, Daniel Howald, Lutz Konermann, Irene Loebell, Denis Rabaglia, Theo Stich und Romed Wyder. Neu nehmen Séverine Cornamusaz, Edgar Hagen, Matthias Bürcher und Eva Vitija Einsitz im Vorstand. Folgende dreizehn DrehbuchautorInnen und RegisseurInnen wurden einstimmig in den Verband aufgenommen: Andreas Bossard, Niccolò Castelli, Séverine Cornamusaz, Moritz de Hadeln, Steff Gruber, Yves Hofer, Benno Hungerbühler, Mano Khalil, Krisztian Majdik, Alberto Meroni, Luzius Christian Rüedi, Manuel Siebenmann, Ricardo Signorell und Marie-Catherine Theiler.

Die Generalversammlung (GV) stimmte einstimmig dem Antrag zu, SCENARIO (GrS) als Interessensgruppe des Verbandes aufzunehmen. SCENARIO setzt sich für bessere Bedingungen für Schweizer Drehbücher ein. Das Ziel der Zusammenarbeit ist, den Interessen der UrheberInnen – DrehbuchautorInnen und RegisseurInnen – zum Durchbruch zu verhelfen. Wir begrüssen diese Zusammenlegung der Kräfte aller UrheberInnen sehr und freuen uns über den Entscheid.

Diskussion erste Skizze Filmförderungskonzepte ab 2011:

Im zweiten Teil der GV wurde mit Einwilligung des Bundesamts für Kultur ein erster Vorschlag der Sektion Film für die Filmförderungskonzepte 2011-15 (noch in Bearbeitung) durch Thomas Geiser, Präsident der entsprechenden Bundes-Arbeitsgruppe, erläutert. Die anschliessend ausführlich geführte Diskussion unter den Mitgliedern zeigte:

  1. Es ist unverständlich, dass die Sektion Film bereits einen ersten Vorschlag vorlegt, bevor die aufwändig angelegte externe Evaluation der bisherigen Filmförderungskonzepte (2006-2010) zugänglich ist. Die Ergebnisse dieser Evaluation und damit die Wirkung der bisherigen Filmförderung müssen vorrangig für die neuen Filmförderungs-konzepte berücksichtigt werden, um würdigen zu können, welche bisherigen Instrumente funktionieren und wo Revisionsbedarf auszumachen ist.
  2. Eine Streichung der selektiven Drehbuchförderung wird mit aller Klarheit abgelehnt. Die selektive Drehbuchförderung muss nicht nur beibehalten, sondern vielmehr als echte und kontinuierliche Unterstützung der DrehbuchautorInnen ausgebaut werden, um zu einer breiten Auswahl an Ideen und Stoffen zu gelangen. Der vorliegende Modellvorschlag widerspricht zudem den wiederholten Beteuerungen der Sektion Film, dass der Prozess des Drehbuchschreibens gestärkt werden soll.
  3. Dem vom BAK skizzierten System- respektive Paradigmenwechsel weg vom Kommissions- hin zum Einzelexpertensystem (begleitende «Commissioners», Intendanten) steht die Mehrheit eindeutig ablehnend gegenüber. Sofern man auf eine solche Diskussion überhaupt eintreten will, muss die Evaluation der bisherigen Kommissionsarbeit vorliegen. Zudem bräuchte es dringend präzisere Grundlagen und vor allem viel mehr Zeit für eine sorgfältige Auseinandersetzung mit allen Vor- und Nachteilen. Es macht den Anschein, dass hier ein Modell aus einem andern Land (Dänemark) unreflektiert auf die Schweiz appliziert werden soll – ohne die völlig anderen Gegebenheiten unseres Landes (etwa drei Sprachräume, Demokratieverständnis) oder die dafür nötigen Mittel zu berücksichtigen. Gleichzeitig herrscht Einverständnis, dass die Zusammensetzung und die Besetzung der Experten in den Begutachtungsausschüssen detailliert besprochen und reflektiert werden muss.
  4. Succès Cinéma: Gemäss der erfolgten Evaluation zu Succès Cinéma vor einem Jahr drängen sich keine grösseren Änderungen auf. Für uns ist klar: Keinerlei Schwächung der Position der UrheberInnen, keine Reduktion des Anteils für die UrheberInnen und keine Einschränkung ihrer Autonomie (AutorInnen, Regie).
  5. Vordringliches Problem bleibt nach wie vor das fehlende Fördergeld für die Filmherstellung, um sowohl den Nachwuchs als auch die arrivierten Filmschaffenden resp. ihre Projekte angemessen fördern zu können.

Zürich, 1. April 2010